Spätberufen

 

Meine „Karriere“ als Schauspieler begann auf der passiven Seite, als begeisterter Konsument der Aufführungen in St. Pölten und Wien, die über das Schüler-Abo angeboten wurden und wo ich jahrelang auch der Kassier in unserer Klasse dafür war. Ich war aber so vom Theater begeistert, dass ich als Berufswunsch Schauspieler am Ende meiner Schullaufbahn zu Hause verkündete. Die übliche Reaktion der Eltern war „lerne erst einmal etwas Gescheites“. An „Bühnenerfahrung“ kann ich aus dieser Zeit nur von einem Auftritt als Triangel-Spieler bei den Maturafeierlichkeiten meiner älteren Schwester berichten.

Dann „gab“ ich offensichtlich überzeugend über Jahrzehnte den Arzt in Krankenhaus und Praxis, der auch dazu führte, dass ich Bezirksärztevertreter wurde. In dieser Funktion war ich, trotz positiven Feedbacks, mit meinen Eröffnungsstatements bei den Sitzungen nicht ganz glücklich und suchte Wege meine Rhetorik zu verbessern. Hernstein lag außerhalb der Finanzierungsmöglichkeit und ich bekam das Programmheft des St. Pöltner Hippolyt-Hauses in die Hände, dort war auch ein Rhetorik-Kurs ausgeschrieben – der dann mangels Interessenten nicht zustande kam. Meine Frau wies mich dann auf die „3-Jahres-Ausbildung“ von ATiNÖ hin, in der auch ein Seminarwochenende Stimme und Sprache gewidmet war.

Das Einstiegswochenende wurde, theatralisch ausgedrückt, zu einem der schönsten Wochenenden meines Lebens. Eine Miniszene aus einem Mitterer-Stück entflammte meine Sehnsucht auf der Bühne zu stehen aufs Neue. Nach diesem Wochenende bekam ich schon fast den Blues, wenn ich an die Endlichkeit dieser Ausbildung dachte und beschloss, die Gründung einer Theatergruppe in Lilienfeld zu versuchen.

Dieser Versuch glückte auch und so habe ich das große Privileg meinen Jungendtraum doch noch (und elternkonform ) verwirklicht zu haben und stehe heuer im März das 16. Mal auf der Bühne unserer Theatergruppe Spielfeld. In den letzten Jahren durfte ich auch beim Bürgertheater des Landestheaters St. Pölten mitwirken und bin erfüllt von diesem Tun.

Merten Gareiss

Lieber Merten, wie gut, dass so ein Theatervirus bis dato unheilbar ist! Vielen Dank für deinen Blogbeitrag und dein unermüdliches Tun!

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