Milans Freiheit

Im Herbst des Jahres 1986 kam  ich aus einer kleinen Stadt in Ostkroatien, damals noch Jugoslawien, nach Belgrad zum international bekannten Leichtathletikverein „Roter Stern“.

Es war eine große Herausforderung für mich. Wir trainierten jeden Tag, sogar 2x täglich. Wir mussten 25 – 30 km bewältigen, doch durch diese Belastung begann mein Körper nach ca. zwei Monaten zu streiken. Ich war verletzt und konnte einige Zeit nicht trainieren. Das war eine schwere Zeit für mich, da ich nicht wusste, was ich mit meiner Energie machen sollte. Ich fühlte mich wie ein Löwe im Käfig.

Während des Rasierens hörte ich zufällig im Radio von einem Castingcall eines alternativen Theaters. Ich dachte nicht lange nach, sondern entschied mich spontan an diesem Casting teilzunehmen. Eine Woche später erhielt ich die Nachricht, dass ich eine Rolle bekommen hatte.

Ich war sehr froh und tauchte das erste Mal in die Welt des Theaters ein. Wir spielten „Jelisaveta Bam“, ein Stück von Daniil Charms –einem russischen Avantgarde-Künstler, der in den 1930er Jahren sehr kritisch über die Regierung geschrieben hatte und aus diesem Grund inhaftiert wurde. Er starb  1942 vermutlich an Unterernährung in der psychiatrischen Anstalt des Leningrader Kresty-Gefängnisses.

Beim Theaterspielen konnte ich meine Energie freilassen. Die Erfahrungen, die ich hier machte, waren vergleichbar mit Sport, ich war leer, allerdings ohne meinem Körper zu schaden, denn ich konnte auch viel Energie dadurch gewinnen.

Seit dieser Zeit bin ich mit dem Theatervirus infiziert. Theater ist meine Leidenschaft. Diese Lust verschiedene Charaktere zu spielen, mit vielen Leuten in Kontakt zu kommen, die Arbeit verschiedener Schriftsteller kennenzulernen!

Beim Theater  lasse ich meinen Koffer mit den Problemen vor der Tür stehen.  Auf der Bühne spiele ich mich frei, ich tauche in eine andere Welt ab. Erst danach schnappe ich meinen Koffer wieder.

Ich bin froh, dass dieser Theatervirus bis heute in meinem Körper steckt und immer wieder etwas Neues dazukommt, ein nie endendes Spiel – Adrenalin, Energie, wie bei einem Wettkampf, damals in sportlicher Richtung, heute in künstlerischer. Ich liebe meine Freiheit auf die Bühne!

Milan Eror

Vielen Dank Milan, für deinen tollen Beitrag! Schön dass du auch das St. Pöltner Bürgertheater mit so vielen verschiedenen Charakteren bereicherst und bereichert hast!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s